Frialad

Die ersten Handwerker stiegen empor und schon nach wenigen Jahren gab es strukturierte Städte in denen die Menschen lebten. Doch hatten die Menschen noch keine Herrscher, alles Geschah auf eine harmonische Art der Verständigung. Ihre Dörfer überstiegen nie der Einwohnerzahl von höchstens 200 und auch Waffen und der Kampf waren ihnen Fremd. Einfache Calas, das Bauernvolk.

Aber die Sintreas blieben ihrer Lebensweise treu und erkundeten die Länder weiter, bis sie an die Grenzen der toten Lande kamen, ins Land Wookror, der Heimat der Raman. Und dies war der Tag, auf den die Abtrünnigen gewartet hatten.

Sie nahmen die Menschen gefangen, ergötzten sich an ihrem Blut und schnell merkten sie, dass dieses rote Elixier das war, was ihnen die Macht zurückgeben sollte.
Während sich die Calas um ihre Felder und Familien kümmern mussten, bekamen sie nicht mit, wie die Sintreas beinahe ausgerottet wurden unter der Herrschaft der blutrünstigen Raman.

Viele der Menschen gerieten in eine Gefangenschaft ohne Aussicht, jemals wieder das Tageslicht erblicken zu können und die Raman wurden stärker. Endlich wussten sie, wie sie ihre alte Stärke zurück erlangen konnten, sie mussten einfach nur ausziehen und alle Menschen ihnen Untertan machen, sie züchten, so dass sie ihnen als Nahrung dienen würden.
Und noch etwas erfreute die Gemüter dieser Finsteren Gesellen. Es gab tatsächlich die Möglichkeit, aus einem Menschen einen von ihnen zu machen, nur halb so mächtig und auch nicht unbedingt ebenso blutrünstig, aber genauso seelenlos und verbissen auf Macht, wie sie selbst. Und eine zweite Gruppe, Missbildungen durch den Kuss, der Weg den Menschen zu verwandeln.

Es kam vor, dass aus ihnen dumme willenlose Monster wurden, welche den Raman als Krieger und Sklaven dienen sollten. Die Guraz.
Dann zogen die Raman aus, gestärkt durch eine Armee, die alles nieder trampeln sollte was ihnen sich in den Weg stellte und überall Tod und schrecken verbreiten würde. Die Rückkehr der Engel stand bevor. Wie ein Virus verbreiteten sich die Scharen der Raman und schon bald war unsere ganze Welt nur noch ein riesiges Schlachtfeld. Ein Blutbad, eine Katastrophe.

Die Arfejia besannen sich dem alten Bündnis, welches sie schon vor vielen tausend Jahren gemeinsam vor die Tore des Gartens treten lies und verbündeten sich mit den Raman; und schon bald gab es nichts mehr, was sich dieser Macht in den Weg stellen sollte.
Die Sanestras hießen die Wende willkommen und sahen darin ihre Chance, die Menschen dem Erdboden gleich machen zu können, denn sie sahen jenes Volk als die Pest an, welche unseren Planeten eines Tages zu Grunde gehen lassen würde. Die Raman hatten ihre neue Macht zurück und für die Menschen war es die Zeit der Sklaverei.

So verhielt es sich Jahrhunderte, die Raman hinterließen eine Spur der Zerstörung und des Todes, überall herrschten die Furcht und die Finsternis. Die Menschen waren ein gefangenes Volk und konnten sich nicht aus dieser Knechtschaft befreien. Die Zahl der Raman und Guraz stieg immer mehr und selbst die Arfejia verloren ihren Einfluss und die Kontrolle über jenes Geschehen.

Die Raman hatten gewonnen und es sollte wohl das Ende unserer friedlichen Welt werden.
Schon längst hatten die Wälder unter dem Einfluss der Raman büßen müssen und nahmen zunehmend ab, bis nur noch wenige übrig waren und das Land beinahe dem Gebiet Wookrors ähnelte. Überall nur kahle Wiesen, Wüsten aus Erde soweit das Auge reichte und die Magie der Raman hatte die Sonne verfinstert und die Kälte begann die Welt zu überziehen. Bis, ja, bis eines Tages die Arfejia sahen, dass es so nicht weiter gehen konnte.

Es waren die Sacertes, die immer hinter den Raman standen und durch sie ihre Magie und ihre Forschung vorantreiben konnten, die merkten, dass es das Ende ihrer Welt werden würde, wenn die Raman weiter diese Schreckensherrschaft führen sollten…

Und was sollten sie dann noch erforschen?
Also beschlossen sie zusammen mit ein paar freien Menschen, die sich in Höhlen versteckt hielten vor den Raman, und die letzte freie Front der Menschen bildeten, die Engelsmeere zu überqueren und den Baum des Lebens erneut zu neuem Schaffen anstoßen zu wollen.

In einem kleinen Trupp von vielleicht zweihundert Mann stark, durchquerten sie die finsteren Lande Wookrors, überquerten in Flößen die Meere und viele ließen dabei ihre Leben, denn der Weg zurück zu den Gärten war von den Raman verschlossen worden und gefährlich, doch schaffte es ein kleiner Rest vor den Toren zu stehen.

Sie überquerten die heiligen Berge, schwammen durch die verbotenen Flüsse und streiften Tag ein Tag aus über die großen Wiesen.
Bis sie den Baum erreichten.
Bittend und flehend baten sie ihn seine Macht gegen die Geschöpfe der Götter zu wenden, er sollte diesem schrecklichen Treiben ein Ende setzen. Doch nichts geschah.

Erst als einer der Menschen den Kontakt zu dem Baum aufnahm und ihn berührte, wurde er durch die Angst und den Schmerz des Menschen erneut zu einer Abwehrreaktion verleitet.

In einem Unwetter, welches wohl dem Ende der Welt gleichen sollte, überzog der Zorn des Baumes die Welt und vernichtete alles.
Wälder, Berge, Wiesen und Flüsse verschwanden, er hinterließ eine karge Wüstenwelt in der nichts überleben sollte, mit der Absicht, ohne das Leben die Raman ebenfalls zu vernichten. So wurde unsere Welt zudem was sie heute ist. Eine Welt nur bestehend aus Wüsten, Steppen und riesigen Eislandschaften.

Nur die Arfejia konnten mit ihrer Magie einige Wälder wieder zum Leben erwecken, was auch der Grund ihrer seltsamen Beschaffenheit ist. Doch erzielte der Zauber des Baumes nicht vollends seine Absichten. Auch wenn unsere Welt nun nichts mehr von ihrer früheren Schönheit hatte, die Wälder beinahe gänzlich ausgelöscht waren und die Raman tatsächlich kaum noch leben vorfanden, um ihr eigenes zu stützen, so hatte niemand daran gedacht, dass die Wesen dieser Welt durchaus anpassungsfähig waren. So entstanden neue Geschöpfe, neue Pflanzen, die sich mit der neuen Beschaffenheit der Welt zurecht fanden.

Und wie zuvor bei den Engeln, lief die Reaktion des Baumes nicht spurlos an jenen Menschen vorbei, welche sich im Garten befanden. Sie wurden enger mit der Magie des Baumes verbunden.
Ihre Macht war nicht gleich der der Arfejia, doch reichte sie aus, um auch gegen die Raman zu wirken.

Die Magier der Menschen waren geboren.

Durch diese neu entstandene trostlose Gegend und der neuen Macht der Menschen, zogen sich die Raman wieder nach und nach zurück, doch ohne jemals ihren Einfluss und ihre Macht wirklich verlieren zu müssen. Doch geschah nun alles in einem besser geordneten Ablauf unter der Kontrolle des obersten Raman, Feraziel, von Wookror aus.

Die neue Welt war nun geschaffen und die Zeit der Menschen angebrochen. Das Frialad erwies sich wirklich nicht als das schönste Kapitel unserer Zeit, doch sollte es wahrlich schlimmer kommen…

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© 2000-2020 Roland R. Posny