Luzar

Das 2. Zeitalter – Engelsherrschaften

Das 2. Zeitalter, Luzar.

Ja Reisender, es war eine große Zeit, die Zeit des Umschwungs, die Zeit der Entstehung der meisten Mythen und der großen Völker.

Nachdem die Schattenvölker zurück gedrängt wurden und die Engel eine gewisse Ordnung wiederhergestellt hatten, kam das große Zeitalter der Veränderungen. Die Arfejia zogen durch die Lande um sie zu erkunden und bis dato waren sie, neben den Engeln, die einzigen Bewohner Tierranas, die über die Fähigkeit des Denkens verfügten. Neben den Geschöpfen der des Waldes und des Wassers natürlich.

Aber wie überall im Universum – wovon ich ausgehe -, gab es auch zwischen den Engeln und den Arfejia Meinungsverschiedenheiten und kleinere Fehden. Zu Anfangs noch recht klein und bedeutungslos, da die Arfejia es noch lange nicht mit dem scharfen Verstand und der unheimlichen Macht der Engel aufnehmen konnten, aber sie waren da.

Je mehr die Arfejia sich in ihrer Kultur entwickelten und ihre Denkensart sich nun nicht mehr auf das Erkunden neuer Gebiete und dem Unterhalten mit den Pflanzen beschränkte, wurden nun die Engel dieses Mal zurück gedrängt. Bra spürte, dass die Zeit, in der die Engel auf die armen unbeholfenen Wesen Acht geben und sie wie Kinder bemuttern mussten, sich dem Ende zuneigte. Doch war es die Aufgabe der reinen Wesen, diese Welt weiterhin vor den Angriffen aus der Schattenwelt zu beschützen, so beschloss Bra, den Engeln eine Heimat zu suchen, eine Festung, einen Sitz, von wo aus sie die noch recht junge Welt überblicken konnten, aber sie sich nicht weiter dem strengen Einfluss der Engel ergeben musste.

So kam es, dass die Schar der Engel sich auf eine abgelegene Insel zurückzog, weit draußen, in den heute unter dem Namen bekannten Engelsmeeren, „al Unzel et a la“, auf die Engelsflügel-Insel. Wie fast überall auf Tierrana, war es ein Gebiet von einer Schönheit, die einem die Augen öffnen sollte.

Die Wiesen und weiten Felder, ein wahrer Augenschmaus und die Berge so hoch, dass man vom Gipfel aus die göttlichen Gefilde erreichen konnte. Diese Insel war es, auf der Bra seiner weiteren Aufgabe nachkam und den Samen pflanzte, den er von Nazu bekam.

Die Arfejia indes, blieben nicht untätig und vermehrten sich rasch. Neben den „Ureinwohnern“, wie uns Volvers, den Wald- und Wassergeistern, oder dem anderen zahlreichen Getier, waren die Arfejia zwar ebenfalls ein Einfall der Götter gewesen, doch keinesfalls ein Reinfall wie die später herrschenden Menschen.

Die alten Wälder, in denen die Arfejia lebten, erstreckten sich beinahe über unsere ganze Welt, nur die nördlichsten Regionen und einige Länder der südlichen Lande, waren schon zu frühen Zeiten Wüsten und Steppen, das Eis und die Ödlandschaften sollten erst viel später kommen.

Es herrschte eine friedliche Atmosphäre auf Tierrana, selbst die Drachen, welche selbst heute von den Arfejia und den Raman gefürchtet werden, spürten diesen Frieden und verblieben in ihren Bergen um dort auf bessere Zeiten der Zerstörung zu warten.

Tierrana war nun eine grüne, von Arfejia, Pflanzen und unterschiedlichem Getier bewohnte Welt und die Engel hatten, wie zuvor die Götter, ihren Gefallen daran und zeigten dies auch.

Immer wieder kam es vor, dass sich einige der beflügelten Wesen wieder aufs Festland verirrten und bei diesem Besuch, den Arfejia gleich eine weitere neue Kultur und neue Denkensart verliehen.

Sie schenkten ihnen die Wälder, unterrichteten sie in den Weisheiten und führten sie in die Geheimnisse der Welt ein und verliehen ihnen die Gabe der Unsterblichkeit.

Eines Tages gesann sich auch Bra zurück in die weiten Wälder und verkündete eine frohe Botschaft.

Der Samen sei gekeimt und ein prächtiger, riesiger Baum sei daraus entstanden. Ein Baum größer als alle Bäume die es in den frühen Wäldern gab. Ein Baum, mit einer solch starken Anziehung, dass der Erzengel selbst nicht widerstehen könne, ständig in seiner Nähe zu verbleiben und durch ihn das Leben auf dieser Welt zu beeinflussen.

Und nun, da dieser Baum entstanden war, würden sich einige Engel zurück ziehen und in die Göttlichen Gefilde zurückkehren, um die Götter zu bitten, sie in dem Umgang mit dem Baum zu unterrichten, damit sie seine Macht auch sinnvoll und voll und ganz nutzen konnten. So geschah es.

Um den Erzengel herum versammelten sich fünf weitere Engel, seine treuesten Anhänger und sie alle verließen Tierrana und kehrten zu den Göttern zurück. Nun waren der Baum und die Arfejia allein.

Denn jene Engel die übrig geblieben waren, kümmerten sich nicht mehr um die Welt, die ihnen anvertraut war.

Im Gegenteil, sie zogen es vor sich abzuschotten, errichteten einen Wall aus Gestein um ihr Heim und um den mächtigen Baum, damit keiner der unreinen Wesen, die Tierrana bevölkerten – und schon gar nicht die Arfejia – sie in ihrer Ruhe stören sollten.

Die Arfejia waren zunächst ein wenig überrascht über diese Handlung der Engel, doch die Zeit verging und die kleinen Waldbewohner lernten immer mehr, sich in ihrer Welt selbst zurechtzufinden. Und was keiner ahnen sollte, der Baum entfaltete allmählich seine wahre Macht und diese ging auch in die Erde der Welt über.

Die Magie, welche in dem Baum schlummerte, verteilte sich und spaltete sich in die Materie der Welt auf.

Wasser wurde Quell des Lebens, Erde wurde die Nahrung der Pflanzen, und diese Nahrung der Tiere, die Luft, welche den Vögeln und Drachen gehörte, wurde zu einem selbstständigen Bestandteil der Welt, welcher nach seinem Willen handelte und bei schlechter Laune ganze Bäume aus ihrer Verankerung im Boden riss…

Und das Feuer, es blieb eine zerstörerische Kraft, denn auch die Wesen der Schattenwelt sollten an die Magie des Baumes gebunden werden.

Als ewiger Rivale der Lichtwelt, gab es nun doch eine Verbindung zwischen dem, was sich im Licht unter dem Augenschein der Engel abspielte und dem, was sich in fernen Landen, in geheimen Verließen und Höhlen zutrug.
Die Arfejia waren nun eine hoch entwickelte Art, welche sich bereits mit der Magie der Elemente beschäftigte und erste Ränge und Gesellschaftliche Strukturen entstanden. Das Leben hielt Einzug.

Und zeitgleich mit der Entwicklung der Arfejia, kam auch die erste Abzweigung zwischen den Stämmen.

Denn einige der Arfejia, waren so beeindruckt und brannten darauf mehr über die Magie in den Dingen zu erfahren, dass sie keine Acht mehr gaben auf ihre Artgenossen und sich zum größten Teil in entferntere Gegenden der großen Wälder zurückgezogen hatten, um ihren Studien nachzugehen. Magier und das einfache Volk entstanden. Sacertes und die Dete.

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