Nores

Das 1. Zeitalter – der Ausbruch aller Dinge

“Am Anfang stand das Chaos.”

So beginnen die alten Sagen. Selbst die Selvos würden es nicht anders bezeichnen.

Eine Welt in der keine Ordnung herrschte, dafür aber auch keine Kriege und keine Gewalt.

Tiere und Pflanzen lebten, soweit es ihnen möglich war, im Einklang miteinander. Es gibt gar nicht mehr so alte Bäume oder Flüsse, die damals schon gelebt hatten um ihre Erinnerungen an jene Zeiten weiterzugeben, denn wer weiß schon, wie lange diese Zeit her ist.
Und wer weiß ob es nicht auch besser so ist?

Wer könnte schon erahnen, was geschieht wenn die Menschen wüssten, wie es wirklich um unsere Welt stand? Das sie niemals geplant waren? Keine Kinder der Götter sind?

Es waren Nazu und Lonar, welche Ordnung in unsere Welt brachten. Nazu, der Gott allen Lebens und der Überbringer der Magie, die heute von den Magiern und den Sacertes benutzt wird, sah herab auf unsere kleine grüne Welt; sah wie sich die Tiere vermehrten und die Pflanzen den Ursprung des Lebens darstellten. Es gab nichts, was dieses kleine perfekte Chaos, indem sich kein Tier und keine Pflanze wirklich an Regeln und Rechte hielt, hätte zerstören können.

Die Götter genossen den Anblick der heilen Welt und erfreuten sich, der Spielereien ihrerseits mit der Natur und den Tieren und brachten sonderbare Geschöpfe und Pflanzen zum Vorschein, nur um sich ihre Zeit zu vertreiben. Aber was soll’s, es nahm niemand Schaden davon.

Doch selbst ein alter Bach wie ich, hätte es ahnen können, dass dieser Frieden und die Freude nicht ewig halten sollten.
Wie später unter den Engeln, gab es auch bei den Göttern welche, die mit Freude, Glück und vollkommener Harmonie nichts anfangen konnten. Doch gegen die Mächte der großen kamen sie nicht an.
So entschlossen sie sich ihre eigene Welt zu kreieren, neben Tierrana, eine Schattenwelt.

Abseits des Lichtes sollte sie existieren, Tod und Verderben sollten herrschen und die Landschaften sollten kahl und öde sein. Mordlustige Bestien sollten in dieser Welt hausen und der Verfall sollte den Göttern eine Freude sein.

Viernes, selbsternannter Herrscher dieser Schattenwelt, hatte seine Freude daran. Er erschuf die Blutpalisaden, die Berge der Grausamkeit und den Tempel des Vienes, seine Dämonen sollten ihm dort huldigen.
Und jene Dämonen taten dies auch, mit einer Portion von Respekt und Gleichgültigkeit zugleich, dass Viernes es einfach nur noch genoss.
Nazu gefielen die Werke Viernes nicht sonderlich und er ließ ihn und seine göttlichen Anhänger vor das Tribunal der Götter treten um Rechenschaft dazu abzulegen. Denn konnten Nazu und Lonar nicht verantworten, dass ihr Teil der Welt, Tierrana, von Viernes Dämonen überrannt wird.

Doch Viernes weigerte sich, seine geschaffene Welt wieder zu zerstören, nur um seinen Brüdern gerecht zu werden. Jeder hätte einen Anspruch auf seine eigenen Werke.

Wie ein kleines Findelkind wehrte sich der Schreckensgott gegen seine Brüder, bis, ja bis sie nachgaben. Eher aus dem Grund, den weinenden Gott nicht länger ertragen zu können, als aus Nachsicht, erlaubten sie die Schattenwelt.

Ohne vorausahnen zu können, welchen Fehler sie damit gemacht haben.

Doch war diese Erlaubnis begleitet von Bedingungen, die von Viernes einzuhalten waren, eine Art abkommen an das sich jeder der Götter halten sollte.

Zwischen Tierrana und der Schattenwelt sollte eine unsichtbare Barriere gezogen werden und keiner der Parteien durfte sich jemals wieder in das Handeln der anderen einmischen.
So geschah es dann und die Götter waren sich wieder einig.
Und es ging gut, Tausende von Jahren existierten beide Welten nebeneinander, ohne dass die Bewohner der Welten von der Anderen etwas mitbekommen haben. Tierrana entwickelte sich prächtig weiter und aus kleinen Tieren wurden irgendwann denkende Wesen, Waldbewohner, zwar nicht in der Lage ihre Welt genauesten zu verstehen, aber immerhin schon sie zu erkunden und sich zu verbreiten.

Die Arfejia.

Und auch die Schattenwelt gedieh, Krater wurden zu Behausungen, Wüsten zu Schlachtplätzen und die Dämonen, die von Anfang an einer gewissen Intelligenz – die wohl nur zum Morden ausgebildet war – verfügten, breiteten sich aus.

Bis sie an die Grenzen ihrer Welt kamen. Doch getrieben von ihrer schier nie endenden Begierde nach neuen Opfern und Blut, begannen sie, die Grenzen zu brechen.

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© 2000-2018 Roland R. Posny