Legenden

Ihr habt gespeist, ihr habt getrunken. Mit vollem Magen verlasst ihr die Schenke und doch kommt es Euch allmählich so vor, als ob die Welt sich tatsächlich drehen würde. Am besten denkt Ihr gar nicht weiter darüber nach, was Ihr da gerade gegessen habt… es sah ein wenig merkwürdig aus. Aber solange es geschmeckt hat…

Der Gnom geht mit einem zufriedenen Ausdruck im Gesicht vor Euch her und führt Euch durch weitere Gassen der Stadt.
Nimmt es denn keine Ende? Anscheinend ist diese Stadt doch größer als Ihr vermutet hättet und immer wieder trefft ihr auf weitere Seltsamkeiten. Wie einer Straße, so spiegelglatt, dass Ihr alle Mühe habt Euch aufrecht zu halten und einem merkwürdigen Wesen, welches sich anscheinend prächtig zurecht findet und ständig die Glastraße auf und ab stolziert und dabei ein Lied in einer fremden Sprache singt.

„Eilt Euch Reisender, es gibt noch viel zu sehen. Folgt mir, es geht nun zum Ratsturm… Unsere Stube der Wunder!“

Wieder scheint der Gnom vor Vorfreude beinahe zu platzen, es macht ihm sichtlich Freude Euch herumzuführen und Euch ein Gefühl der Abhängigkeit zu geben. Aber es soll Euch nur Recht sein, was würdet Ihr sonst mit Eurer Zeit anfangen – nicht wahr?

Menschen laufen gehetzt an Euch vorbei, ein zwei Rempler, üblich für diese überfüllten Straßen, Arfejia schielen Euch finster an und die Ritter haben stets ein wachsames Auge auf Euch, oder mehr auf Ganex? Und es werden immer mehr, die normalen Bürger nehmen immer mehr ab und die Wachen immer mehr zu, je mehr ihr euch dem großen Turm nähert.
Ein riesiges Gebäude erstreckt sich vor Euch, zu eurer Überraschung mal keins der wohl so wichtigen Prachtbauten aus Glas, die Tore sind gut bewacht und Mächtig dazu. Eine große steinerne Treppe führt zum Eingang, Ganex hält davor inne

„Lasst mich Euch warnen Reisender, dass, was Ihr innerhalb dieser Mauern erblicken werdet mag Euch im ersten Moment fremd erscheinen. Ein wenig ungewöhnlich oder auch abstrakt. Doch wenn Ihr Euch mit dem auseinander setzt was sich hinter all den Geheimnissen verbirgt, werdet Ihr sehen, dass es eigentlich etwas völlig normales ist. Für unsere Verhältnisse!“

Weiß der Gnom eigentlich selbst was er da faselt?

„Nun kommt, bleibt immer in meiner Nähe, dieser Turm ist ein Labyrinth… Eine Brutstätte des Wissens, der Träume und des Staunens…“

Der erneute mystische Ausdruck und das Geheimnisvolle in seiner Stimme, lassen Euch das Schlimmste befürchten. Ihr folgt Ganex die Stufen empor, zu Eurer Überraschung halten Euch die Wachen diesmal nicht auf und ihr schreitet durch das Tor hinein.

„Dies hier also, ist sowohl Bibliothek als auch Galerie dieser Stadt. Verwaltung und Toiletten findet Ihr in der obersten Etage…“

Ein sehr langer, wohl endloser Gang tut sich vor Euch auf, die Wände sind übersäht mit Bildern, Urkunden und Türen.

„Ich dachte mir, wenn Ihr schon meine Welt besucht, so solltet ihr nicht nur Fakten hören, sondern auch unsere Kunst kennen lernen und vor allem, meine Lieblingsbeschäftigung, die vielen Geschichten lesen, die unsere großen Autoren schrieben“

Ihr bleibt vor einer Tür stehen, auf welcher in großen Buchstaben und wohl vier verschiedenen Sprachen, das Wort Bibliothek geschrieben steht.

„Tretet ein, lest die Geschichten. Lasst Euch fesseln von Gedichten und Weisheiten. Und erfahrt etwas über ein paar Helden unserer und vergangener Tage, Wesen die den Lauf der Geschichte mit großen Taten beeinflusst haben.“

Der Gnom öffnet die Tür und ihr betretet die Halle voller Bücher….

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© 2000-2018 Roland R. Posny